Ich hatte befürchtet, wir würden im Regen stehen vor dem Stralsunder Lyrikfenster. Doch ich war nicht ortskundig. Der Schaukasten hängt wettergeschützt in einem Durchgang zum Kultur-Hof. „Unter dem Wal“, wie Anke vom Sund immer schreibt.
Der Wind kündigte das Unwetter bereits an, er nahm mir fast die Worte aus dem Mund, und wir hatten unsere Mühe mit der schweren Scheibe. Der Text über den Pflaumen-Opa*, der seine reiche Ernte für eine Weile nur mit Mühe in der dünnen Tüte halten konnte, gelangte zu aller Freude sicher an seinen Platz. Daneben – die bildhafte Entsprechung aus der Speicherdruckerei.
Das Gewitter kam, als wir im Klabautermann unsere Fischsuppe vor uns hatten. Tropfen flitzten über die Fensterscheiben. Die Terrassengäste flohen in die Kneipe, alle rückten zusammen, atmeten, löffelten, schwitzten. Der Dunst stand noch zwischen den Leuten, als der Regen längst aufgehört hatte.
Draußen, am menschenleeren Kai, grüßte das letzte Licht. Ich hatte nichts mehr zu tragen und hätte den Sund umarmen können.
So wie der Pflaumen-Opa, als er endlich frei war von der ganzen Last.
*“Pflaumen“ ist am 16.09.2022 in diesem NotizBlog als Minutentext erschienen.




















