Leben im Bestattungshaus. Eine Lesung

Plate. Christian Scheffel, der Chef, empfängt schon auf dem Vorplatz: „Hier sind Sie richtig.“ So ein junger Bestatter!
Vor dem Wandbild, das in Pastellfarben behutsam den Weg in die Ewigkeit zeigt, steht mein Lesetisch. Es gibt so viele Stuhlreihen wie ein großes Dorf auch für eine Beerdigung braucht. Man kennt sich. Gut sogar.
Eine hohe Decke. Ein Harmonium. Die Klappe bleibt zu.
Zwei Mikrofone. Beim Soundcheck schiebt der Tonmann die Regler routiniert auf seinem Tablet. Leif kommt etwas später, wird umringt. Tennemann zieht Leute an.
Dabei ist er hier der Moderator. Er versucht, die Erwartungen zu lenken. Getränke gibt es, Würstchen auch. Während der ersten Geschichte bereue ich, nicht doch eins genommen zu haben. Der Magen hatte sonst immer bis nach der Lesung gewartet. Doch hier ist alles anders.
Eine Dame fragt, ob Robbie nun sterben muss. Das offene Ende macht ihr zu schaffen. À propos Fundmunition. Da kann der Herr aus der ersten Reihe auch was erzählen als Brunnenbauer! Und die Plattdütsche Deern links ebenfalls. Tennemann regelt den Verkehr der Wortmeldungen.
Dann komme ich mit meinem „Faust-Schlag“. Und schließlich, nach der Pause, mit „Oma“. Es ist meine Lieblingsgeschichte, sie handelt von einem Abschied nach der Trauerfeier. Eigentlich unfassbar. Da ist man sich einig. Große Stille im Bestattungshaus.
Wie hieß das Motto? LESEN BIS ZULETZT.
Besser kann es nicht passen.