Frühe Paparazzi

Es war vielleicht wie in einem Sonntagabend-„Tatort“. Nur, dass der natürliche Tod der Hauptperson erst geduldig abgewartet werden musste. Die beiden Fotografen Willy Wilcke und Max Priester logierten Ende Juli 1890 in der Nähe des Gutes Friedrichsruh, wo Otto von Bismarck sich durch seine letzten Tage quälte. Den Förster des Hauses, Louis Spörcke, hatten sie schon bestochen. Der ließ ihnen prompt die Nachricht vom Tod des Reichskanzlers zukommen und half ihnen über die Fensterbank ins Sterbezimmer, als er gerade mit der Totenwache an der Reihe war. Das war am 31. Juli um 4 Uhr morgens, fünf Stunden nach Bismarcks letztem Atemzug.
Die Fotografen waren besessen. Sie stellten gar des Reichskanzlers Wecker auf 23:20 Uhr zurück, setzten das Magnesium-Blitzlicht in Gang und schossen eines der berühmtesten Fotos der Pressegeschichte, mit dem sie zu viel Geld kommen wollten. Schon am 2. August hatten sie in zwei Berliner Zeitungen eine Anzeige zum Verkauf des Fotos geschaltet.
Bismarcks Sohn Herbert hatte davon Wind bekommen und handelte. Er sorgte für die Beschlagnahmung des Fotos. Die Paparazzi wurden angeklagt und in einem spektakulären Prozess zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt.
Erst 1952 gelangte das Foto*, abgedruckt in der Frankfurter Illustrierten, an die Öffentlichkeit.

*zu sehen auch in der aktuellen Ausstellung „Bekrönte Händler“ im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus